vor kurzem unterhielt ich mich mit zwei amerikanern. einer aus der schreibenden, einer aus der rechtlichen zunft. da das thema rund ums bloggen kreiste und es mich überdies eine nacht des grübelns und hinterfragens der eigenen freiheitlichen überzeugungen kostete, möchte ich das gespräch hier mit einem kleinen neuen artikel würdigen.
und nein, ich habe nicht vergessen, dass ich der stadt münchen noch einige worte schulde. ich fühle ihren argwohn schwer auf meinen schultern. jetzt, wo ich wieder in ihren weiß-blauen himmel blicken darf und mir rot-schwarze teufelchen winken (das ist KEINE anspielung auf bestimmte verstimmte kommunalwahlen!). also, der münchen artikel kommt. er kommt bald. nun aber zu jenem gespräch im washingtoner zirkel.
wie gesacht, ums bloggen gings. hauptsächlich um politische blogs, aber auch so ganz allgemein. auch um blogs wie diesen, möchte ich annehmen. ich warf die unschuldige forderung in den raum: keine anonymen blogs! (bin mir über die existenz eines ausrufezeichens in meiner damaligen intonation nicht mal sicher) wer was zu sagen hat, der kann das, dazu ham wir ja die ganze meinungsfreiheit, und kämpfen verbittert um ihre letzten auswüchse, auch wenn diese die meinungsfreiheit selbst gefährden könnten. aber das ist ein anderes kapitel. jedenfalls, wenn schon alles so frei ist, und wenn man dann auch dazu steht, dass man das meint, was man schreibt, dann kann man doch in gottes namen nicht gottes sondern seinen eigenen namen drunter setzen. sprachs ganz naiv.
mich haute es fast vom stuhl, das bier fast aus der hand, die stimmung befand sich nah am abhang. mir wehte ein solcher gegenwind übers haupthaar, dass ich mir erstmal überlegte, wer denn hier eigentlich liberal ist. meine zwei amerikanischen freunde widersprachen jedenfalls vehement. freiheit, das bedeute, alles sagen zu können ohne seinen namen nennen zu müssen. hm.
- ja, aber…wenn man sich doch mit dem, was man sagt, nicht identifizieren kann oder mag, dann doch einfach mal gar nix sagen und relaxen, oder?
- ja, aber…wenn man vorstandsvorsitzender des ober.haupt.wirtschafts.und.weltpolitik.ärzte.juristen.chef.gremiums ist und einen privaten blog über die frage schreiben will, ob pudelbesitz in der heutigen zeit noch gesellschaftlich vertretbar ist, dann müsste man die möglichkeit haben, dies als anonymus zu veröffentlichen. könnte ja sein, dass sonst schlechte presse und protest des dackelvorstands in der nebenabteilung des…ich kürze es ab… o.h.w.u.w.ä.j.c.gremiums und absägung des armen schreiberlings als vorstandsvorsitzender.
- ja, aber…dann muss man eben mit den konsequenzen leben. sind schon leute für ganz andere überzeugungen gestorben. oder man soll halt über politisch weniger verfängliche themen schreiben
- ja, aber…das bedeutet ja, dass man über bestimmte dinge nicht schreiben darf, nur weil man sich in einer bestimmten beruflichen position befindet. und das hieße ja…[er sprach es tatsächlich aus und wir mussten uns alle gegenseitig stützen, um ohnmachtsanfällen durch schock und daraus resultierenden kopfverletzungen vorzubeugen] FREIHEITSBERAUBUNG
- ja, aber…die meinungsfreiheit im internet hat ja schon auch so ihre nachteile. vielleicht würde eure zwei türme ja noch…naja, also vielleicht…
und außerdem, was bringt die ganze nagelscherchen.abgeb.geschichte am flughafen, wenn ihr nichtmal…ok, ich drifte ab und fühle mich schon wie im gehirn von beckstein und bush, wenn sie über friedenssicherung nachdenken. ich fang nochmal an. [man merkt, das is alles nicht so einfach]
also, ich finde, wenn ich jetzt mal aus der position eines verfassers urteile, dass mein geschriebs nur wert hat, wenn ich da auch jederzeit meinen namen druntersetzen könnte.
und das hilft ja auch der leserschaft. ein artikel mit verfasser hat doch landläufig, da wir ja alle im zeitalter des buches aufgewachsen sind und uns teilweise auch noch an die mit diesem archaischen medium verbundenen gepflogenheiten erinnern können, mehr autorität und respektabilität. erscheinungsort und -jahr ist da jetzt mal nicht so wichtig, da drück ich ein auge zu.
das ist sowieso alles so wirr in diesem internet. da freut man sich doch auch mal auf einen hinweis auf menschen, die hinter dieser ganzen sache sitzen.
- ABER DIE FREIHEIT!
- für die Freiheit.
lange habe ich über die schlussworte dieses artikels nachgedacht. jetzt bin ich mir sicher.
mit freiheitlichem gruße,
juliana hirsing.
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