Archiv für 20. Juli 2007

20
Jul
07

I have my freedom but I don’t have much time…

…so sangen einst Bush, sehr wahr, wie mir scheint.

Freiheit, Freiheit haben wir, die wir der Generation angehören, deren Mütter die Emanzipation mit brennenden BHs erkämpften. Deren Väter das Patriarchat aus ihren Händen rinnen sahen, während sie uns die Windeln wechselten. Freiheit haben wir. So viel, dass uns manchmal ganz schlecht wird.

Schon damals hatten wir die Wahl, welches Breichen wir lieber löffeln und sogleich wieder von uns geben wollten. Heute haben wir die Wahl, welche Bildung wir uns einverleiben und wohin wir die Weichen stellen wollen. Morgen wählen wir, ob mit oder ohne Kind, Mann oder Frau oder allem auf einmal oder ganz allein. Und übermorgen können wir, so wir denn wollen, alles hinschmeißen und Zirkusclown in Tibet werden.

clown15.gif                         buddha_mattschwarz_stehend.jpg

Wenn da nicht eine kleine Einschränkung wäre. Die brauchen keine Zirkusclowns in Tibet. Die brauchen auch keine in Hamburg oder Hintertupfing. Keiner braucht mehr einen Zirkusclown, es sei denn, dieser jene hat an fünf Unis in sechs Ländern studiert, acht unbezahlte Praktika absolviert, zehn Jahre in international renommierten Zirkussen gearbeitet und ist natürlich Single ohne Ambitionen zu Kind und Kegel. Überdies liegt das Höchstalter für Clowneinstellungen, so sagt die Statistik, bei 16 1/4 Jahren.

We don’t have much time! Wozu all die Freiheit, wenn wir keine Zeit haben, sie zu nutzen? Die Köpfe rauchen bei den 10.045 möglichen Lebensentwürfen, die dann eben doch nicht ganz möglich sind. Und jetzt? Sollte man sich irgendwann auf einen Plan festlegen und sich einfach mit der Unvollkommenheit des Seins zufrieden geben? Oder lieber weiter in 10.045 verschiedene Richtungen rennen? Ach, egal. Schaumamal.

20
Jul
07

Der Mops an und der Mopsbesitzer für sich

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Die Szenerie: Café in eines von Münchens Scheinalternativvierteln. Publikum gemischt, Bänker nebst Hosenträgerschweinsbratenstammtisch nebst techtelmechtelnden Rotweinjungs nebst mir. Nebst…dem obligatorischen Mops. Die sind ok, man gewöhnt sich an viel. An die Spritzer aus Mopssabber und Hundemineralwasser aus Edelnapf. An die traurigen, fast nachdenklichen Mopsblicke, die einem seine eigene kümmerlichen Lage bewusst machen. An die an die Grenzen der Intellektualität stoßenden Gespräche der Mopsbesitzer mit Mops. Alles ok, wie gesagt, man ist an vieles gewöhnt.
So gehört es auch quasi schon zur guten Sitte, dass, wenn man denn den auserwählten Platz neben dem Mops einnimmt, dass man dann doch das ein oder andere Wort oder zumindest ein freundliches Zunicken von sich gibt. Zuerst an den Hund, dann an den Besitzer. So tat ich vor kurzem aus schierem Reflex und erkannte eine weitere Regel in der Mopsetikette: Besitzer muss, sobald der kleine Dicke von irgendeiner Seite angesprochen, bewundert oder auch nur kritisch beäugt wurde, das Tierchen tätscheln. Ist das eine Geste der Besitzbekundung? Is meiner! Toll, oder? Er gehört zu mir, nicht zu dir! Oder muss man den armen eingeschüchterten Klops, Verzeihung, Mops trösten, weil er immer so blöde angemacht wird? Oder ist es eine Art Konkurrenzkampf zwischen Besitzer und neuem Kontaktmenschen? Nachdem der Hund Lob zugesprochen bekommt und sich vermutlich denkt, „Ach, is ja nett, vielleicht sollte ich mein Herrchen wechseln. Langzeitbeziehungen sind sowieso out.“ überfällt den Besitzer vielleicht eine derartige Verlustangst, dass er seine eigenen Vorzüge, z.B. die besonders sanften, in genau die richtige Richtung kreisenden Streicheleien, ins Mopsbewusstsein zurückbringen muss? Es ist, das steht fest, ein kleines Mysterium, dem sich wohl ohne eingehende empirische Untersuchungen nicht auf die Spur kommen lässt.
Die Mopsepisode steht nicht allein. Überall begegnen mir ständig Seltsamkeiten der urbanen Lebenswelt zu denen ich zu gegeber Zeit eine Langzeitstudie ansetzen möchte. Am Ende könnte ein den Alltag in revoltionärer Weise vereinfachernder Regelkatalog entstehen. Keiner müsste sich mehr den Kopf über Möpse und andere zivilisatorische Phänome zerbrechen und könnte in aller Ruhe seinen Triple Shot Iced Caramel Café Latte genießen.

20
Jul
07

Zum Titel – Rechtfertigungsversuche

Das war nicht einfach. Ich hätte sicherlich schon ewig, ja, ich wäre wohl die allererste Bloggerin überhaupt gewesen, wäre da nicht das Problem mit dem Titel gewesen. Man muss sich dabei ja so furchtbar festlegen. Einschränken. Sein Innerstes preisgeben. Sein Können oder völliges Unvermögen in möglichst einem einzigen Wort zu Schau stellen. Aktenzeichen „Überfordert: Morgen Nochmal“.

Nach Jahrzehnten der Grübelei, die mich oft an den Rand des Wahnsinns getrieben haben, hielt ich es nicht mehr aus. Ein Name musste her, schnell, ich musste was haben, sonst Auswanderung. Auf eine Insel, wo es keinen Strom und schon gar kein W-Lan gibt. Wollte auf keine Insel, mag die Großstadt. Ich mag sie so sehr, dass ich sie auch mit völliger Gelassenheit verachten kann. Zum Beispiel, wenn es um jenes oder Variationen jenes ominösen Milchgetränks mit kaffeeähnlichem Beigeschmack geht. Ich trink das auch mal. Aber ich pass wenigstens auf, dass mich keiner dabei sieht. Kaffeesorten, deren Bezeichnung aus mehr als der schon schmerzvollen Zahl von drei Wörtern besteht, verkneife ich mir und passe auf, dass mich jemand dabei sieht.

Warum aber den Latte Macchiato, dann auch noch in der gar irrwitzigen Mischform mit der Macke, als Titel für meinen neuen, völlig unbefleckten kleinen Blog?

Naja, ist kurz, prägnant, sagt eigentlich gar nix, beschreibt ein Stück der alltäglichen Ridikülität, packt die Herren in pinken Hemden und Damen in schnieken Pumps an Schlips und Hermes-Halstüchlein und spielt auf eben das an, was mich zum Schreiben der meisten Beiträge bewegt:

Ne Macke ham sie, die Idioten da draußen. Und trotzdem macht sie ein kleiner Zusatz, ähnlich wie der Tropfen Kaffee im Latte Macchiato sympathisch. Auf die Suche nach diesem Zusatz werde ich mich nun begeben.

Danke. Auf bald.

20
Jul
07

Meine Lieben,

wie schön, wie erfreulich. Endlich ein Blog, endlich auch ich. Endlich ein Leben abseits von Macken und Millionären, abseits vom Lärm und von Tauben. Ein Leben in purer Harmonie. Gerne gebe ich diese weiter, bedient euch, lest, schreibt, em – postet. Machts wasser wollts. Ein Glässchen Mackiato kann in jedem Fall nie schaden.




 

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wöchentliche Weisheit

"It is a curious thing...how your mind is supersaturated with the religion in which you say you disbelieve" (James Joyce)

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