20
Jul
07

Der Mops an und der Mopsbesitzer für sich

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Die Szenerie: Café in eines von Münchens Scheinalternativvierteln. Publikum gemischt, Bänker nebst Hosenträgerschweinsbratenstammtisch nebst techtelmechtelnden Rotweinjungs nebst mir. Nebst…dem obligatorischen Mops. Die sind ok, man gewöhnt sich an viel. An die Spritzer aus Mopssabber und Hundemineralwasser aus Edelnapf. An die traurigen, fast nachdenklichen Mopsblicke, die einem seine eigene kümmerlichen Lage bewusst machen. An die an die Grenzen der Intellektualität stoßenden Gespräche der Mopsbesitzer mit Mops. Alles ok, wie gesagt, man ist an vieles gewöhnt.
So gehört es auch quasi schon zur guten Sitte, dass, wenn man denn den auserwählten Platz neben dem Mops einnimmt, dass man dann doch das ein oder andere Wort oder zumindest ein freundliches Zunicken von sich gibt. Zuerst an den Hund, dann an den Besitzer. So tat ich vor kurzem aus schierem Reflex und erkannte eine weitere Regel in der Mopsetikette: Besitzer muss, sobald der kleine Dicke von irgendeiner Seite angesprochen, bewundert oder auch nur kritisch beäugt wurde, das Tierchen tätscheln. Ist das eine Geste der Besitzbekundung? Is meiner! Toll, oder? Er gehört zu mir, nicht zu dir! Oder muss man den armen eingeschüchterten Klops, Verzeihung, Mops trösten, weil er immer so blöde angemacht wird? Oder ist es eine Art Konkurrenzkampf zwischen Besitzer und neuem Kontaktmenschen? Nachdem der Hund Lob zugesprochen bekommt und sich vermutlich denkt, „Ach, is ja nett, vielleicht sollte ich mein Herrchen wechseln. Langzeitbeziehungen sind sowieso out.“ überfällt den Besitzer vielleicht eine derartige Verlustangst, dass er seine eigenen Vorzüge, z.B. die besonders sanften, in genau die richtige Richtung kreisenden Streicheleien, ins Mopsbewusstsein zurückbringen muss? Es ist, das steht fest, ein kleines Mysterium, dem sich wohl ohne eingehende empirische Untersuchungen nicht auf die Spur kommen lässt.
Die Mopsepisode steht nicht allein. Überall begegnen mir ständig Seltsamkeiten der urbanen Lebenswelt zu denen ich zu gegeber Zeit eine Langzeitstudie ansetzen möchte. Am Ende könnte ein den Alltag in revoltionärer Weise vereinfachernder Regelkatalog entstehen. Keiner müsste sich mehr den Kopf über Möpse und andere zivilisatorische Phänome zerbrechen und könnte in aller Ruhe seinen Triple Shot Iced Caramel Café Latte genießen.



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