dat is wie mit der birne und dem apfel. ich weiß. und dennoch, ein vergleich muss mal verschriftlicht werden, zwischen der bayerischen und der bundesdeutschen hauptstadt. einfach damit das mal klar ist. werde bei künftigen fragen dann einfach auf meinen blog verweisen. super sache.
also. folge 1 der serie. stadt 1. gehen wir von nord nach süd.
berlin ist. ja, es ist. soviel ist sicher. viel mehr nicht, aber das ist ja schonmal ein anfang. werde mich auch um einige adjektive bemühen.
berlin ist wunderwunderschön, sobald ich die ersten lichter der stadt sehe, geht mir das herz auf. und der geist. ich liebe berlin. nostalgie und neues, pochender puls und blätterrascheln, einzigartige bürgersteigbesteinung, brauner bär vorm tierpark, vergangenes und zukünftiges, alles lässt sich spüren und erahnen, wenn man durch berlin läuft. wenn man die friedrichstraße langschlendert. ost und west traf sich hier. und trennte sich hier. tut dies nun nicht mehr, so mein optimistischer eindruck. die stadt ist noch immer zweigeteilt, daran möchte ich nicht zweifeln, gehälter, gedanken und geltungsbedürfnis noch nicht vollkommen deckungsgleich. identitäten lassen sich nicht übertünchen, lebensgeschichten nicht neu schreiben, realitäten nicht ersetzen, kulturen geben sich nicht auf. auch wenn es in der ganzen euphorie in jenem herbst so schien. langsam werden hierarchien in frage gestellt, wird nach eigener geschichte gesucht, wird subjektiv gefühlt, was objektiv schon lange nicht mehr interessiert. ich finde das gut, jeder mensch braucht wurzeln, und diese dürfen nicht abgehackt werden, nur weil plötzlich laut gesagt werden darf, was auf seelen brannte. menschen prägen systeme, systeme prägen menschen, identitätssuche kann niemandem vorgeworfen werden. nur weil das land und die politik dahinter, so weiß nun jeder und brüllt es heraus, ein jammer war, ein unrecht, so war es dennoch heimat. ein zu hause für seine bürger. ein land, in dem jugendjahre verbracht wurden, in dem an sommertagen eis gegessen wurde, in dem die große liebe den besten freund doch besser fand, in dem leben gelebt wurden, die fernab von politik gar nicht merkten, dass sie so traurig waren. wie gut, dass man es diesen menschen jetzt sagt. ihnen mit schonungslosem mitleid ins gesicht knallt, wie schlecht es ihnen, wie gut es den anderen…und wie froh könnt ihr sein, dass ihr jetzt wir seid.
berlin ist jedoch viel mehr. es ist ranzig. diese bezeichnung stammt leider, so muss ich doch zugeben, nicht von mir. das war ein typ, wir unterhielten uns in einer leicht schmuddeligen, tolle musik spielenden, dunkelroten freitag-abend-auf-ein-bier-geh-bar über unsere wohnorte. berliner werfen einem immer so einen peinlich berührten, mitleidigen, leicht ungläubigen blick zu, wenn man sagt, dass man in bayern lebt. schon, krass da, oder? naja, und dann sagte er, „tja, berlin, berlin. ranzig isset. aber ick mag dit, dit ranzige, weeste?“. ja, ich weiß.
ich habe ja ein problem. ich bin sehr neurotisch. man merkt mir das nicht sofort an, ich habe taktiken entwickelt, die vielfältigen neurosen einigermaßen zu verbergen. jedenfalls ist berlin eine der wenigen städte, die es schaffen, dass ich für eine weile vergesse, dass ich etwas spinne. als würde irgendetwas in mir ganz tief durchatmen. deshalb liebe ich berlin. es gibt andere städte, in denen man rumlaufen kann wie man will, in denen sich keiner umdreht, wenn man in pinker leopardenoptik durch die straßen rennt und schreit „ich bin ein huhn, holt mich hier raus“. trotzdem gibt mir nur berlin diese innere ruhe, dieses gefühl, dass schon alles irgendwie ok ist und vielleicht auch noch in 5 minuten sein wird.
bitte bitte bitte, keine weiteren starbucks in berlin! das und genau das ist es, was mich an der „perle an der spree“ (ach hildegard) gerade stört. starbucks.kultur. geht doch mit euren blöden starbucks nach düsseldorf oder von mir aus auch nach münchen, da stört es nicht so. aber ihr trefft damit berlins achillesferse.
man fragt sich vielleicht, warum mich berlin, bei all dem lob und wohlgefallen, nicht beherbergt. naja, wer zu lange in die sonne sieht wird blind.
kommentare besonders bei diesem thema sehr erwünscht. sehne mich nach meinungen zu berlin. bitte nur subjektive!

…Berlin „verstarbuckisiert“ sozusagen zunehmend. Und in 20 Jahren sieht’s in Berlin aus wie in München, Köln, Wanne-Eickel und Stuttgart!
oh ich will dieses jahr von münchen nach berlin ziehen und stieß doch glatt auf diesen vergleich. naja es sind ungefähr die selben dinge die mich dorthin ziehen und von münchen weg..
in münchen kannst du nämlich nicht so rumlaufen wie du willst, ohne blöd angestarrt zu werden, leider! das stört mich, ein ganzes stück weltoffenheit fehlt hier, merke ich vor allem in der ubahn ^^
In Berlin regiert die Freiheit und das wird auch immer so bleiben. Keine Normzwänge, keine Anpassung notwendig. Berlin ist viel zu groß als das es „verstarbuckisiert“ oder gänzlich gentrifiziert werden kann. Hier ein bißchen Glamour, da ein bißchen Penner – die Mischung machts! Wo dieses Jahr noch ein junger Desinger seinen schicken Laden hat, ist nächtes Jahr Rudi’s Reste Rampe drin. Drei Strassen weiter ist es umgekehrt! In Berlin ist immer ordentlich Bewegung drin! Es passiert viel – Gutes wie Schlechtes. Berlin ist nicht, Berlin wird! ;o)
Grüße aus dem Moloch!