der große tag ist gekommen. ich fühle mich bereit. münchen darf nun auch mal im mittelpunkt stehen; gemeint ist hier nicht – das wäre kaum originell – der mittelpunkt der weltpolitischen geschehnisse, sondern das rampenlicht dieses bescheidenen blogs.
also los.
es war eine schwere geburt. meine liebe zu münchen hat unter langwierigen strapazen das licht der welt erblickt. sie war bestimmt kein frühchen. aber jetzt lebt sie und fühlt sich pudelwohl, sie ist ein richtiges prachtexemplar. genährt wird sie vor allem durch die unglaublich beruhigende entspanntheit der stadt. münchen hat es gar nicht nötig, sich gezwungen kosmopolitisch zu geben. wer hier aus freien stücken wohnt, trägt die gelassenene gewissheit im gesicht, dass jedes kräftemessen mit anderen aufenthaltsorten ohne diskussion und pupillenzucken den sieg einbrächte. berliner nennen das arroganz. verzweifelt trampeln sie und plustern sich auf, um nicht nur arm, sondern auch doch noch sexy zu sein. münchen ist weder noch, und könnte diese tatsache nicht sexier finden. hier zieht keiner hin, weil er zu hause gebliebenen seine weltoffenheit beweisen muss. und gerhard polt hat schon recht: „ein paradies ist immer dann, wenn einer da ist, der wo aufpasst, dass keiner reinkommt“. münchen ist vielleicht nicht so weltoffen wie berlin, aber das ist ja auch irgendwie ganz schön.
leute hausen in 12m²-löchern, wo ihre berliner freunde in 5-zimmer-altbau mit whirlpool und holzdielen residieren. das merkt man den münchnern aber nicht an, wenn sie im seehaus ihre maß schlürfen und die bedienung freundlich aber bestimmt bitten, aus der sonne zu treten, damit der blick auf den englischen garten nicht getrübt werde. wenn sie auf der wiesn auf tischen tanzen. wenn sie die maximilianstraße entlangschlendern und sich überhaupt nicht wundern, sondern prosche und polohemd genauso zufrieden beäugen wie gucci und goldene sonnenbrillen.
„alternativ“ trägt in münchen definitiv eine völlig andere bedeutung als in berlin. glockenbach vs. prenzlberg – ich muss nicht weiter ausholen. trotzdem gibt es in münchen „alternative“ menschen, womöglich genauso wie in berlin (schließt man die in berlin sicher prozentual besser vertretene gesellschaftsschicht der chucks.und.ringelpulli.träger aus der in frage gestellten menge aus). alternativ geht in münchen ohne, aber auch gerne mit geld.
aus eigener erfahrung kann ich berichten, dass man sich an die münchner freizeitgestaltung erst gewöhnen muss. will heißen, es stößt einem saupreiß erstmal etwas befremdlich auf, wenn er erfährt, dass münchner kommilitonen zwar noch nicht das 30. lebensjahr, aber doch schon höchste gipfel erklommen haben. wandern und so. sowas macht ihr? tut man das nicht, wenn man sonst nix mehr zu schaffen hat oder die bastelstunde mit den 4 eigenen kindern einen nicht mehr befriedigt? nein, hier wird gewandert, dass es eine freude ist. und der münchner steht – wie immer – mit einem selbstgefälligen, durch nichts aus der ruhe zu bringenden lächeln dazu.
concluyendo: hier wie da ist es schön. hier wie da gibt es gute leute. hier ist es relaxter als da. da ist es vielleicht etwas spannender als hier. ein wahres glück ist es, dass es beide städte gibt.

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