26
Aug
08

litanei, alles vorbei – noch ein bye-bye

ok, der titel tut mir leid. oder auch nicht. man muss doch auch mal ein bisschen über die stränge und geschmacksgrenzen schlagen dürfen. die anderen dürfen ja auch alles. alles alles alles und der kleine mann und konsorten wie ich müssen zuschauen. mein neuestes ärgernis betrifft eigentlich jeden deutschen, obwohl dieser es aus mir unerfindlichen gründen ganz offensichtlich gar nicht merkt. sonst würde es doch mal einen rabatz geben, die bildzeitung würde jauchzen, man könnte auf die straße gehen, es wäre endlich mal wieder ein bisschen schmackes in der ganzen sache.

ich mach jetzt mal einen test, du bist sozusagen das testsubjekt. folge mir einfach gedanklich.
du schlenderst grade deine ersten morgendlichen ecken ab, die sonne scheint nicht, sie ist genauso müde wie du. du schwingst dich mit letztem elan in ein café. guckst aus dem fenster. willst dich nicht mit den sachen beschäftigen, die da über der theke an einer gutgemeinten tafel prangern. du weißt, mackiato und so. du machst es wie immer, wie seit jahren, wie schon in zu abizeiten, du tust es ganz lässig, es ist eingegangen in fleisch und blut und haut und haar und  kommt entsprechend unbedacht aus deinem munde. einen kaffee bitte.

so.

warte kurz.

da steht er. und hier wird es jetzt spannend. geh ganz tief in dich, versetz dich so richtig in die situation, mach von mir aus walkänge an und stehe hand, um dich ordentlich konzentrieren zu können. was passiert jetzt? und vor allem, was ist daran eigenartig? heee?

ES IST KOMMT KEIN KAFFEE!! Es kommt ein komischer kleiner ich.hab.es.nicht.zum.cappuccino.geschafft.und.muss.jetzt.scheiße.schmecken-“kaffee“. erinnerst du dich noch an jene abizeiten, nein, es ist eigentlich noch gar nicht sooo lange her, da gab es kaffee – im feinsten und leckersten sinn von deutschem filterkaffee. ich war neulich im hotel, da gab es ihn noch und ich musste aus lauter frohlockerei so viele tassen trinken, dass ich bilder sah. bilder von omas, die mit ihrer kaffee-, nicht espressomaschine das braune gebräu brauten.

mein unmut steigerte sich in den letzten wochen wirklich ins bodenlose und himmelhoch und auch nach rechts, links, hinten und vorne gegen unendlich. daran ist nicht nur die allein schon erbärmliche tatsache schuld, dass es in der deutschen gastronomie aus ökonomischen und menschenverachtenden gründen keinen filterkaffee mehr gibt. was mich wirklich zutiefst bestürzt ist der sachverhalt, dass es einfach so verschleiert wird und keiner um ihn trauert. wie ein guter guter alter freund, mit dem du jeden morgen im café warst und der ganz plötzlich eines grausamen todes durch marktverdrängung stirbt, ist der filterkaffee einfach in völliger vergessenheit abhand gekommen. ähnlich wie die filterzigarette ja ihren platz im aschenbecher des innenbereichs verloren hat. aber da gab´s wenigstens einen aufschrei sondersgleichen.

eine kleine episode muss ich noch schildern, vielleicht um weiteres verständnis für meine verbitterung einzuheimsen. ich war in einem sehr netten, sehr alten, sehr traditionellen traditionscafé. das ist da schon immer, wird da auch immer sein, es gibt sacher- und rüblitorte, es gibt ein klavier, as gibt die süddeutsche, es gibt alles, was man haben muss und will. und es gibt sogar eine getränkekarte, die mir leuchtende augen bescherte. da stand ganz unten: DER KLASSIKER. DEUTSCHER KAFFEE. ich begann zu zittern. da ich in letzter zeit aber schon viele herbe enttäuschungen erlebt hatte und diese dann nicht mal mit leckerem kaffee übertünchen konnte, fragte ich beflissen die bedienung, ob es sich denn hier tatsächlich um einen klassischen deutschen filterkaffee handele. sie schaute mich verwirrtest an und sagte nichtssagend: ääh, nojoa, kloar, goanz frisch aufbrüht, ge! daraufhin war ich auch verwirrt und bestellte das mal. ES KAM KEIN FILTERKAFFEE ES KAM EINE TASSE DES GRÄSSLICHEN ZEUGS DIE MACHEN DAS IN DER ESPRESSOMASCHINE ES SCHMECKT NACH FLIEGENDARM ICH MÖCHTE SCHREIEN UND FRAU „FRISCH AUFBRÜHT“ IHREN „FRISCH AUFBRÜHT“ VOR DIE FÜßE…

ich muss mich beruhigen.

bitte liebe leute, liebe anhänger des filterkaffees (ihr könnt noch nicht alle gestorben sein, so alt ward ihr damals noch nicht). bitte bestellt ihn wieder! macht den cafés klar, wie wichtig er war und ist. wie elementar. wie kultig von mir aus. fordert ihn ein. vielleicht kramen dann wenigsten ein oder zwei geschäftstüchtige menschen ihre alten verstaubten kaffeemaschinen raus und machen mir vielleicht schon morgen einen…na ihr wisst schon.


2 Antworten zu „litanei, alles vorbei – noch ein bye-bye“


  1. August 26, 2008 um 9:09

    In Cafés gibt’s bei mir selten Kaffee, höchstens beim Bäcker zum Mitnehmen (und dann nenne ich ihn auch nicht „Kaffe to go“, sondern ganz trotzig „Straßenkaffee“ wie es auf der versteckten Anzeigetafel steht). Kaffee mach ich zuhause. Den Klassiker. Und freu mich jedes Mal. :)

  2. 2 mackiato
    August 29, 2008 um 7:13

    sehr schön, das wort „straßenkaffee“ wird gleich in mein aktives und passives vokabular überführt. merci! habe es im übrigen auch mit bäckern probiert. nix. überall nur diese verdammten espressodinger. naja. dennoch wünsche ich viel spaß mit deinem straßenkaffee!!


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