Archiv der Kategorie 'unterwegs'

26
Aug
08

litanei, alles vorbei – noch ein bye-bye

ok, der titel tut mir leid. oder auch nicht. man muss doch auch mal ein bisschen über die stränge und geschmacksgrenzen schlagen dürfen. die anderen dürfen ja auch alles. alles alles alles und der kleine mann und konsorten wie ich müssen zuschauen. mein neuestes ärgernis betrifft eigentlich jeden deutschen, obwohl dieser es aus mir unerfindlichen gründen ganz offensichtlich gar nicht merkt. sonst würde es doch mal einen rabatz geben, die bildzeitung würde jauchzen, man könnte auf die straße gehen, es wäre endlich mal wieder ein bisschen schmackes in der ganzen sache.

ich mach jetzt mal einen test, du bist sozusagen das testsubjekt. folge mir einfach gedanklich.
du schlenderst grade deine ersten morgendlichen ecken ab, die sonne scheint nicht, sie ist genauso müde wie du. du schwingst dich mit letztem elan in ein café. guckst aus dem fenster. willst dich nicht mit den sachen beschäftigen, die da über der theke an einer gutgemeinten tafel prangern. du weißt, mackiato und so. du machst es wie immer, wie seit jahren, wie schon in zu abizeiten, du tust es ganz lässig, es ist eingegangen in fleisch und blut und haut und haar und  kommt entsprechend unbedacht aus deinem munde. einen kaffee bitte.

so.

warte kurz.

da steht er. und hier wird es jetzt spannend. geh ganz tief in dich, versetz dich so richtig in die situation, mach von mir aus walkänge an und stehe hand, um dich ordentlich konzentrieren zu können. was passiert jetzt? und vor allem, was ist daran eigenartig? heee?

ES IST KOMMT KEIN KAFFEE!! Es kommt ein komischer kleiner ich.hab.es.nicht.zum.cappuccino.geschafft.und.muss.jetzt.scheiße.schmecken-“kaffee“. erinnerst du dich noch an jene abizeiten, nein, es ist eigentlich noch gar nicht sooo lange her, da gab es kaffee – im feinsten und leckersten sinn von deutschem filterkaffee. ich war neulich im hotel, da gab es ihn noch und ich musste aus lauter frohlockerei so viele tassen trinken, dass ich bilder sah. bilder von omas, die mit ihrer kaffee-, nicht espressomaschine das braune gebräu brauten.

mein unmut steigerte sich in den letzten wochen wirklich ins bodenlose und himmelhoch und auch nach rechts, links, hinten und vorne gegen unendlich. daran ist nicht nur die allein schon erbärmliche tatsache schuld, dass es in der deutschen gastronomie aus ökonomischen und menschenverachtenden gründen keinen filterkaffee mehr gibt. was mich wirklich zutiefst bestürzt ist der sachverhalt, dass es einfach so verschleiert wird und keiner um ihn trauert. wie ein guter guter alter freund, mit dem du jeden morgen im café warst und der ganz plötzlich eines grausamen todes durch marktverdrängung stirbt, ist der filterkaffee einfach in völliger vergessenheit abhand gekommen. ähnlich wie die filterzigarette ja ihren platz im aschenbecher des innenbereichs verloren hat. aber da gab´s wenigstens einen aufschrei sondersgleichen.

eine kleine episode muss ich noch schildern, vielleicht um weiteres verständnis für meine verbitterung einzuheimsen. ich war in einem sehr netten, sehr alten, sehr traditionellen traditionscafé. das ist da schon immer, wird da auch immer sein, es gibt sacher- und rüblitorte, es gibt ein klavier, as gibt die süddeutsche, es gibt alles, was man haben muss und will. und es gibt sogar eine getränkekarte, die mir leuchtende augen bescherte. da stand ganz unten: DER KLASSIKER. DEUTSCHER KAFFEE. ich begann zu zittern. da ich in letzter zeit aber schon viele herbe enttäuschungen erlebt hatte und diese dann nicht mal mit leckerem kaffee übertünchen konnte, fragte ich beflissen die bedienung, ob es sich denn hier tatsächlich um einen klassischen deutschen filterkaffee handele. sie schaute mich verwirrtest an und sagte nichtssagend: ääh, nojoa, kloar, goanz frisch aufbrüht, ge! daraufhin war ich auch verwirrt und bestellte das mal. ES KAM KEIN FILTERKAFFEE ES KAM EINE TASSE DES GRÄSSLICHEN ZEUGS DIE MACHEN DAS IN DER ESPRESSOMASCHINE ES SCHMECKT NACH FLIEGENDARM ICH MÖCHTE SCHREIEN UND FRAU „FRISCH AUFBRÜHT“ IHREN „FRISCH AUFBRÜHT“ VOR DIE FÜßE…

ich muss mich beruhigen.

bitte liebe leute, liebe anhänger des filterkaffees (ihr könnt noch nicht alle gestorben sein, so alt ward ihr damals noch nicht). bitte bestellt ihn wieder! macht den cafés klar, wie wichtig er war und ist. wie elementar. wie kultig von mir aus. fordert ihn ein. vielleicht kramen dann wenigsten ein oder zwei geschäftstüchtige menschen ihre alten verstaubten kaffeemaschinen raus und machen mir vielleicht schon morgen einen…na ihr wisst schon.

23
Aug
08

bye-bye beautycase.

so viele gedanken sind mir in den letzten wochen, ja (ich muss gestehen und kann es dank rechtiger datumsliste nicht leugnen) monaten durch den kopf geschossen. keiner hat es geschafft, mich zum ergreifen und behacken der tastatur zu bewegen und ihn mit wort und bepunktung an vorliegenden blog zu fesseln. keiner. da musste erst – und hier zeigt sich das leben doch wieder von seiner absurden und so amüsanten seite – der/das beautycase kommen (der artikel richtet sich hier wohl nach emotionaler nähe zum betitelten, ich bin daher für „er“).
ich hab sowas nämlich, wie mir neulich erst recht schmerzlich bewusst wurde. ich sah ihn an. wie er da stand. silbern.
die neunziger schrien mich an. sie brüllten quasi. „eeeeey, hast du uns vergessen?? so lange und so treu und so silberleuchtend haben wir dich begleitet durch deine schlimmsten pubertätsjahre. du darfst uns nicht vergessen!“ wie könnte ich denn…
irgendetwas kam mir komisch vor. das war gar nicht mal die tatsache, dass mein beautycase sich als medium hergab und ich mit einer längst verdrängten epoche kommunizieren musste. so schnell erschrickt mich sowas nicht. ich fand es auch in keinster noch so entfernten weise merkwürdig, dass dieses schreckliche ding nun in der ecke steht und nur noch alte medizin beherbergen darf. nicht, dass ich ihm in iiiiirgendeiner weise nachtrauerte. echt nicht. versprochen. aber eins verwunderte mich dann doch: es gibt sie gar nicht mehr. nirgends. auch nicht von louis vuitton. auch nicht bei der piloten.aus.lauter.jux.beklatschenden.malle.urlauberin mändy, obwohl ein solches modisches accessoire hervorragend zu ihrer übrigen montur passen würde. auch ideologisch und ganz aus prinzip. aber nein, keiner hat mehr einen. gut, sagst du, geliebter leser, zurecht. gut gut, is ja ganz nett soweit, aber der blog verfällt der neon.sitte – viel blub und bla und am ende hat man nicht mal ein staubkörnchen wissensgewinn. w.e.i.t. g.e.f.e.h.l.t! ich bin nämlich durch einen plötzlichen nächtlichen geistesblitz auf des rätsels lösung, des pudels kern, und ganz nebenbei fast auf den sinn des lebens und des tengelmannherzchens gekommen. zu letzteren dreien ein andermal, heute soll es ehrfurchtshalber wirklich nur um das kleine köfferchen gehen. man kann es sich kaum vorstellen, ein gefühl überkam mich, ich hätte schweben können, es wäre nicht besser gewesen. wie ein kleines plopp in meinem kopf löste sich die anspannung, ich wusste die antwort und musste flugs die tastatur rausholen, um die welt an meiner weisheit teilhaben zu lassen.

irgendwie is hier was gehörig schiefgegangen. zu meinem trost war ein derartiges problem schon im elisabethanischen England bekannt – much ado und so…sorry, irgendwie hab ich das alles viel zu sehr aufgeblasen. das verraten der lösung würde mit dessen vollkommener banalität alles niedermachen. das tut mir jetzt leid. aber so ist es eigentlich auch schöner. sogar fast ein geschenk an den leser meinerseits. ich verrate nix, aber gebe einen life.altering tipp. setz dich mal hin. schau dir deinen verstaubten b.c. an (ich weiß, dass du auch einen hast, wag den schritt der vergangenheitsstöberei). und dann überleg ganz locker (nicht verkrampfen und vor allem auch den beckenboden entspannen, jungs, versucht´s mal mit der prostata), warum das geliebte köfferchen aus der bunten welt der reiseutensilien verschwunden ist. ich verspreche, wir haben es hier mit einer extrem günstigen kosten-nutzen-konstellation zu tun. mach mit, ist garantiert ganz einfach, bringt aber ein glücksgefühl, da frohlockt das ego und du bist deutschland.

ps. vielleicht lass ich ja die lösung in einem der nächsten einträge ganz nebenbei und natürlich höchst verblümt fallen. hier ist aber geduld gefragt. na geeeeh, ist doch gar nicht sooo schwer, you can get it if you really want, lalalalllaalllllla

18
Apr
08

was lange währt…berlin-münchen, teil II

der große tag ist gekommen. ich fühle mich bereit. münchen darf nun auch mal im mittelpunkt stehen; gemeint ist hier nicht – das wäre kaum originell – der mittelpunkt der weltpolitischen geschehnisse, sondern das rampenlicht dieses bescheidenen blogs.

also los.

es war eine schwere geburt. meine liebe zu münchen hat unter langwierigen strapazen das licht der welt erblickt. sie war bestimmt kein frühchen. aber jetzt lebt sie und fühlt sich pudelwohl, sie ist ein richtiges prachtexemplar. genährt wird sie vor allem durch die unglaublich beruhigende entspanntheit der stadt. münchen hat es gar nicht nötig, sich gezwungen kosmopolitisch zu geben. wer hier aus freien stücken wohnt, trägt die gelassenene gewissheit im gesicht, dass jedes kräftemessen mit anderen aufenthaltsorten ohne diskussion und pupillenzucken den sieg einbrächte. berliner nennen das arroganz. verzweifelt trampeln sie und plustern sich auf, um nicht nur arm, sondern auch doch noch sexy zu sein. münchen ist weder noch, und könnte diese tatsache nicht sexier finden. hier zieht keiner hin, weil er zu hause gebliebenen seine weltoffenheit beweisen muss. und gerhard polt hat schon recht: „ein paradies ist immer dann, wenn einer da ist, der wo aufpasst, dass keiner reinkommt“. münchen ist vielleicht nicht so weltoffen wie berlin, aber das ist ja auch irgendwie ganz schön.

leute hausen in 12m²-löchern, wo ihre berliner freunde in 5-zimmer-altbau mit whirlpool und holzdielen residieren. das merkt man den münchnern aber nicht an, wenn sie im seehaus ihre maß schlürfen und die bedienung freundlich aber bestimmt bitten, aus der sonne zu treten, damit der blick auf den englischen garten nicht getrübt werde. wenn sie auf der wiesn auf tischen tanzen. wenn sie die maximilianstraße entlangschlendern und sich überhaupt nicht wundern, sondern prosche und polohemd genauso zufrieden beäugen wie gucci und goldene sonnenbrillen.

„alternativ“ trägt in münchen definitiv eine völlig andere bedeutung als in berlin. glockenbach vs. prenzlberg – ich muss nicht weiter ausholen. trotzdem gibt es in münchen „alternative“ menschen, womöglich genauso wie in berlin (schließt man die in berlin sicher prozentual besser vertretene gesellschaftsschicht der chucks.und.ringelpulli.träger aus der in frage gestellten menge aus). alternativ geht in münchen ohne, aber auch gerne mit geld.

aus eigener erfahrung kann ich berichten, dass man sich an die münchner freizeitgestaltung erst gewöhnen muss. will heißen, es stößt einem saupreiß erstmal etwas befremdlich auf, wenn er erfährt, dass münchner kommilitonen zwar noch nicht das 30. lebensjahr, aber doch schon höchste gipfel erklommen haben. wandern und so. sowas macht ihr? tut man das nicht, wenn man sonst nix mehr zu schaffen hat oder die bastelstunde mit den 4 eigenen kindern einen nicht mehr befriedigt? nein, hier wird gewandert, dass es eine freude ist. und der münchner steht – wie immer – mit einem selbstgefälligen, durch nichts aus der ruhe zu bringenden lächeln dazu.

concluyendo: hier wie da ist es schön. hier wie da gibt es gute leute. hier ist es relaxter als da. da ist es vielleicht etwas spannender als hier. ein wahres glück ist es, dass es beide städte gibt.

29
Jan
08

overheard in dc II

on a bus from dc to nyc:

guy to nun (!) next to him: „are you going to new york for…ehh…your job?“

nun: „ehh, yes…yes.“

guy: „oh. and what are you doing in dc?“

nun: „working.“

08
Dez
07

overheard in d.c.

two heavy women (i mean – heavy!) talking on the street. looking concerned.

one touches her forehead, peers around pretty hectically.

- getting low on my carbs.

the other girl nods, understandingly, keeping up the same concerned face.

17
Nov
07

berlin-münchen. ein vergleich.

dat is wie mit der birne und dem apfel. ich weiß. und dennoch, ein vergleich muss mal verschriftlicht werden, zwischen der bayerischen und der bundesdeutschen hauptstadt. einfach damit das mal klar ist. werde bei künftigen fragen dann einfach auf meinen blog verweisen. super sache.

also. folge 1 der serie. stadt 1. gehen wir von nord nach süd.

berlin ist. ja, es ist. soviel ist sicher. viel mehr nicht, aber das ist ja schonmal ein anfang. werde mich auch um einige adjektive bemühen.

berlin ist wunderwunderschön, sobald ich die ersten lichter der stadt sehe, geht mir das herz auf. und der geist. ich liebe berlin. nostalgie und neues, pochender puls und blätterrascheln, einzigartige bürgersteigbesteinung, brauner bär vorm tierpark, vergangenes und zukünftiges, alles lässt sich spüren und erahnen, wenn man durch berlin läuft. wenn man die friedrichstraße langschlendert. ost und west traf sich hier. und trennte sich hier. tut dies nun nicht mehr, so mein optimistischer eindruck. die stadt ist noch immer zweigeteilt, daran möchte ich nicht zweifeln, gehälter, gedanken und geltungsbedürfnis noch nicht vollkommen deckungsgleich. identitäten lassen sich nicht übertünchen, lebensgeschichten nicht neu schreiben, realitäten nicht ersetzen, kulturen geben sich nicht auf. auch wenn es in der ganzen euphorie in jenem herbst so schien. langsam werden hierarchien in frage gestellt, wird nach eigener geschichte gesucht, wird subjektiv gefühlt, was objektiv schon lange nicht mehr interessiert. ich finde das gut, jeder mensch braucht wurzeln, und diese dürfen nicht abgehackt werden, nur weil plötzlich laut gesagt werden darf, was auf seelen brannte. menschen prägen systeme, systeme prägen menschen, identitätssuche kann niemandem vorgeworfen werden. nur weil das land und die politik dahinter, so weiß nun jeder und brüllt es heraus, ein jammer war, ein unrecht, so war es dennoch heimat. ein zu hause für seine bürger. ein land, in dem jugendjahre verbracht wurden, in dem an sommertagen eis gegessen wurde, in dem die große liebe den besten freund doch besser fand, in dem leben gelebt wurden, die fernab von politik gar nicht merkten, dass sie so traurig waren. wie gut, dass man es diesen menschen jetzt sagt. ihnen mit schonungslosem mitleid ins gesicht knallt, wie schlecht es ihnen, wie gut es den anderen…und wie froh könnt ihr sein, dass ihr jetzt wir seid.

berlin ist jedoch viel mehr. es ist ranzig. diese bezeichnung stammt leider, so muss ich doch zugeben, nicht von mir. das war ein typ, wir unterhielten uns in einer leicht schmuddeligen, tolle musik spielenden, dunkelroten freitag-abend-auf-ein-bier-geh-bar über unsere wohnorte. berliner werfen einem immer so einen peinlich berührten, mitleidigen, leicht ungläubigen blick zu, wenn man sagt, dass man in bayern lebt. schon, krass da, oder? naja, und dann sagte er, „tja, berlin, berlin. ranzig isset. aber ick mag dit, dit ranzige, weeste?“. ja, ich weiß.

ich habe ja ein problem. ich bin sehr neurotisch. man merkt mir das nicht sofort an, ich habe taktiken entwickelt, die vielfältigen neurosen einigermaßen zu verbergen. jedenfalls ist berlin eine der wenigen städte, die es schaffen, dass ich für eine weile vergesse, dass ich etwas spinne. als würde irgendetwas in mir ganz tief durchatmen. deshalb liebe ich berlin. es gibt andere städte, in denen man rumlaufen kann wie man will, in denen sich keiner umdreht, wenn man in pinker leopardenoptik durch die straßen rennt und schreit „ich bin ein huhn, holt mich hier raus“. trotzdem gibt mir nur berlin diese innere ruhe, dieses gefühl, dass schon alles irgendwie ok ist und vielleicht auch noch in 5 minuten sein wird.

bitte bitte bitte, keine weiteren starbucks in berlin! das und genau das ist es, was mich an der „perle an der spree“ (ach hildegard) gerade stört. starbucks.kultur. geht doch mit euren blöden starbucks nach düsseldorf oder von mir aus auch nach münchen, da stört es nicht so. aber ihr trefft damit berlins achillesferse.

man fragt sich vielleicht, warum mich berlin, bei all dem lob und wohlgefallen, nicht beherbergt. naja, wer zu lange in die sonne sieht wird blind.

kommentare besonders bei diesem thema sehr erwünscht. sehne mich nach meinungen zu berlin. bitte nur subjektive!

17
Nov
07

sinnvoll sollte es sein…

folgendes:
…da mir heute morgen auf nüchternen magen und noch nüchternere gemütslage doch tatsächlich kritik aus den eigenen reihen entgegenschlug, habe ich mich, nach schocküberwindung und zumindest imaginären besuchen beim psycho-, neuro-, gynäko-, cardio- und vor allem astrologen dazu entschlossen, mit den harschen worten konstruktiv umzugehen.  leider sprach madame kritikerin einen wunden punkt an, wunde punkte entstehen dann, wenn man selbst schon so ne ahnung hat, dass irgendwas nicht sooo toll läuft. und dann wird da für gewöhnlich reingepieckst. ok, kernpunkt des morgendlichen gesprächs war, um es abzukürzen, das metagelaber. also genau das, was ich hier schon wieder tue.

konsequenz: werde jetzt mal wieder einen beitrag mit inhalt schreiben.
damit der schön sauber ist von fadem gefade, wird dieser kleine artikel jetzt abgeschlossen.

bis gleich.

18
Sep
07

If only I could be as cool as you, as cool as youhuhuuuu

Ich halte ihm das mikro unter die nase. ein nervenzusammenbruch mit zitternden augenbrauen und grauenerfüllten blicken wird nicht erwartet. kein schweiß, der aufs mikro tropft und die aufnahme versaut. kein lampenfieber, kein stottergestammel, das war gestern. es war wahrscheinlich vorgestern, als kamera und mikro noch irgendjemanden erröten oder aus dem konzept kommen ließen.

aber eines ist die krönung der ignoranz. der gipfel der coolness. und ja, der niedergang jeglichen respekts, aber letzteres ist schon in ordnung.

kann man diese dinger aus den ohren tun? raus da. raus mit den stöpseln, die die welt bedeuten. ich wünschte ich könnte euch verachten!
(da ich, wie geübte mackiatisten wissen, für gewöhnlich sehr sparsam mit emphatischer punktuation umgehe, dürfte klar sein, wie sehr ich an dieser stelle wünschte)

verachten kann ich nicht, da ich bewundern muss. wenn ich es eines tages schaffe, beides unter einen hut zu bringen, werde ich mich als der glücklichste mensch wieder melden.

wie kann man nur so lässig sein? meiner einer kann das gar nicht. mit beschallung durch die gegend rennen, wo man doch ohnehin schon einer solch vielfältigen beschallung ausgesetzt ist. das ist mir sowas von genug. reizüberflutung nennt´s der funny. da wird man doch ganz irre.

wie macht ihr das? alle können´s, nur ich nicht. das gute alte gefühl aus der bastelgruppe von vor 132 jahren ist wieder da, tief in meinem bauch, es ist zum kotzen.

ich hab auch immer angst, dass mich jemand anspricht und ich nicht höre, wie mich dieser jene vor einer katastrophe warnen will. mich anfleht, ihm und seinem kinde das leben zu retten. oder vielleicht auch nur sagt, dass meine frisur heute hübsch sitzt. all das würde mir doch entgehen. wie könnt ihr mit dem risiko leben?

ich schätze ich bin da etwas neurotisch. aber es passiert so viel, auf so viel muss man aufpassen, ich hab begrenzte kapazitäten. wie kann man in der u-bahn stehen und walkman hören? (man verzeihe mir hier den archaischen und doch so netten begriff)

an einer stelle könnte ich mit dem verachtungsversuch ansetzen – es ist doch wirklich eine booooodenlose unverschämtheit keine kinderstube gar nix und überhaupts – die stöpsel nicht mal rauszunehmen, wenn man sich mit mir unterhält. oder?

dass euch das nicht passiert wünscht,
juliana.

30
Jul
07

Lass mich raten. Jura.

Aufgestellter Kragen, Krokodil auf geschwellter Brust, bereit zum Biss bei Infragestellung der Besterseinsheit des Trägers. Leicht schief sitzende Brille läuft gegen Barhocker, Tasse Kaffee (tiefschwarz) landet auf Strickpulli, fällt nicht weiter auf. Perlenohrring streitet sich mit Halstüchlein um möglichst dezente Aufmerksamkeit, hellblaue Bluse unter dunkelblauem V-Ausschnitt presst sich ins Bild.

So könnte es ewig weitergehen. Klischees die täglich in bester Form durch die Uni waten. Warum ist das so? Warum erkennt man in den meisten Fällen auf 100 Meter Entfernung, ob 16. Semester Önologie mit Nebenfach Slawistik und Mediävistik oder BWL mit Ziel der Weltübernahme? Machen Kleider Leute oder Leute Kleider? Passt man sich tatsächlich an oder ist man als Lehrämtler wirklich der Typ Mensch, der am liebsten graue Rollkragenpullis trägt? Kategorisiert man sich vielleicht einfach gerne äußerlich, um die ewig nervende erste Frage auf jeder anständigen Studentenparty gleich von vornherein zu klären? Was studierstn du so? Na, siehste doch, Mann!
Oder man trägt adäquate Kleidung, um sich selbst das Gefühl der Zugehörigkeit zu verschaffen, das sich durch die Fächerwahl partout nicht einstellen will. Quasi als ständige Prophilaxe gegen Studienabbruch.

Etwas nervös betrachtete ich soeben meinen eigenen Kleiderschrank. Ok. Morgen kauf ich mir eine rosa Bluse, werde dazu Hornbrille tragen, ne stylische umhängetasche umhängen und dabei Selbstgedrehte rauchen. Mal gucken, wie das so ist. Ob sich irgendjemand für mich zuständig fühlen wird? Vielleicht komme ich auch mal mit ganz neuen Kreisen ins Gespräch. Ich bin schon so gespannt.

20
Jul
07

Der Mops an und der Mopsbesitzer für sich

3688.jpg

Die Szenerie: Café in eines von Münchens Scheinalternativvierteln. Publikum gemischt, Bänker nebst Hosenträgerschweinsbratenstammtisch nebst techtelmechtelnden Rotweinjungs nebst mir. Nebst…dem obligatorischen Mops. Die sind ok, man gewöhnt sich an viel. An die Spritzer aus Mopssabber und Hundemineralwasser aus Edelnapf. An die traurigen, fast nachdenklichen Mopsblicke, die einem seine eigene kümmerlichen Lage bewusst machen. An die an die Grenzen der Intellektualität stoßenden Gespräche der Mopsbesitzer mit Mops. Alles ok, wie gesagt, man ist an vieles gewöhnt.
So gehört es auch quasi schon zur guten Sitte, dass, wenn man denn den auserwählten Platz neben dem Mops einnimmt, dass man dann doch das ein oder andere Wort oder zumindest ein freundliches Zunicken von sich gibt. Zuerst an den Hund, dann an den Besitzer. So tat ich vor kurzem aus schierem Reflex und erkannte eine weitere Regel in der Mopsetikette: Besitzer muss, sobald der kleine Dicke von irgendeiner Seite angesprochen, bewundert oder auch nur kritisch beäugt wurde, das Tierchen tätscheln. Ist das eine Geste der Besitzbekundung? Is meiner! Toll, oder? Er gehört zu mir, nicht zu dir! Oder muss man den armen eingeschüchterten Klops, Verzeihung, Mops trösten, weil er immer so blöde angemacht wird? Oder ist es eine Art Konkurrenzkampf zwischen Besitzer und neuem Kontaktmenschen? Nachdem der Hund Lob zugesprochen bekommt und sich vermutlich denkt, „Ach, is ja nett, vielleicht sollte ich mein Herrchen wechseln. Langzeitbeziehungen sind sowieso out.“ überfällt den Besitzer vielleicht eine derartige Verlustangst, dass er seine eigenen Vorzüge, z.B. die besonders sanften, in genau die richtige Richtung kreisenden Streicheleien, ins Mopsbewusstsein zurückbringen muss? Es ist, das steht fest, ein kleines Mysterium, dem sich wohl ohne eingehende empirische Untersuchungen nicht auf die Spur kommen lässt.
Die Mopsepisode steht nicht allein. Überall begegnen mir ständig Seltsamkeiten der urbanen Lebenswelt zu denen ich zu gegeber Zeit eine Langzeitstudie ansetzen möchte. Am Ende könnte ein den Alltag in revoltionärer Weise vereinfachernder Regelkatalog entstehen. Keiner müsste sich mehr den Kopf über Möpse und andere zivilisatorische Phänome zerbrechen und könnte in aller Ruhe seinen Triple Shot Iced Caramel Café Latte genießen.




 

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"It is a curious thing...how your mind is supersaturated with the religion in which you say you disbelieve" (James Joyce)

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